28 – die unerträgliche flüchtigkeit des seins

veröffentlicht am 22. februar 2014 von anna rider

im nachhinein kann man ja immer sagen: man hat es kommen sehen. aber dass es gleich so knüppelhart kommen würde – nein. lichtenstein war ja immer der pickel am arsch der schweiz. nun hat es sich ja bekanntlich herausgestellt: es war kein pickel, es war ein melanom. die welt ist rund: das war ihr verhängnis. die globalisierung war quadratisch: das war ihr ende. die welt musste lernen: einen pickel kann man ausknipsen, aber bei allem, was tiefer geht, schneidet man sich ins eigene fleisch. und heute wissen wir: lichtenstein war überall, in jedem muskel, im fleisch der welt. sobald es die banken und treuhänder dieses zwerges lüpfte, war bald auch die luft fast der gesamten globalisierten wirtschaft verdünnisiert. so brüchig waren die pfeiler unserer wirtschaft, dass jedes sandkörnchen den stein des anstosses ins rollen bringen konnte. und dann die ganze verdammte welt.

zivilsation ist die firnis auf dem gletscher der menschheit. nur wenig braucht es vom feuer der wirklichkeit, um diesen schleier zu zerschmelzen. im falle der schweiz waren dies vier tage – einen tag mehr als im durchschnitt der anderen länder. einen tag mehr, bis die grundfesten unserer gesellschaft zerbröckelten.

nun sind sie da: die sirnenen unseres untergangs. nun freut euch des lebens: es währt nicht mehr lang. zumindest nicht in dieser form. my instincts are my home. nun wissen wir: vier tage braucht es. viertausend jahre vom steinhammer zum iphone. und nur vier tage zurück. der mensch, er baut sich seine kultur wie eine baumrinde auf, von jahr zu jahr ein bisschen mehr. und er schält sich seine zivilisation wie eine bananenschale von sich weg. all die ganzen sitten, all die gesetzte, ja die ganzen staaten und nationen: alles bloss eitel terz, ein schutzpolster um unser herz.

vier tage, mensch. nun wissen wir: gebt uns vier tage. einen tag für den zusammenbruch. einen tag fürs grosse erstaunen. einen tag für entrüstung und wut. und einen tag für gewalt und plünderung – mit den ersparnissen entschwinden auch die hemmungen. der vierte tag gehört dem homo sapiens sapiens. er weiss, dass er weiss –  und macht es trotzdem. mord und vergewaltigung. nichts, nichts bleibt, wenn dem mensch die kultur entweicht.

nun wird sich auch zeigen, wie stark die banden von düland geknüpft sind. kann es die tausenden von flüchtlingen aus der schweiz so einfach verkraften, oder zerbricht es daran? wäre doch schön, wenn wir das anfangsvertrauen, das uns die schweiz geschenkt hat, nun erwidern könnten? eine grosse herausforderung, klar. aber dennoch sagen wir mit überzeugung: düland heisst die schweiz willkommen!

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