27 – die stützen der gesellschaft

veröffentlicht am 16. oktober 2013 von anna rider

liebe düländerinnen

nun wachsen sie langsam in den himmel, die stützen unserer randbebauung, die stützen, welche einst die solide struktur bilden werden für eine ringförmige stadt, eine stadt zwischen düland und der schweiz, eine gebaute grenze. weniger eine stadtmauer als eine zur lebendigen mauer gewordene stadt.

die welt innerhalb dieser grenzen, das herz von düland, welches fast zerspringt vor freude und leben, braucht einen halt, ein starkes skelett, um weiterschlagen zu können. diese grenze, die so viel mehr ist als einfach eine linie zwischen innen und aussen, sie selbst wird nun zum lebewesen und wächst heran zu einem neuen organismus.

während innen, in düland, das leben auf seine eigene weise floriert, herrscht rundherum – in der schweiz, in europa und weltweit weiterhin ‘die krise’, wie sie allgemein genannt wird, die schrecken einer ökonomie ohne ihr für essentiell erklärtes wachstum. ganze nationen kollabieren wegen dieser sogenannten wirtschaftskrise. ich selber glaube jedoch, dass diese unsere krise letztendlich nicht eine wirtschaftliche ist, sondern eine seelische.

die stützen unserer gesellschaft, wie wir sie im grossen ganzen bis ins letzte jahrhundert gekannt haben, wurden nach und nach ausgehölt. sei es die kirche, das militär, die politik, die presse und unsere menschlichen beziehungen, sie alle wurden nach und nach demontiert – zum guten glück! sie wurden aber nicht durch neue stützen ersetzt, sondern bloss ausgestopft, aufgefüllt mit geld, stück für stück. doch leider ist dieser neue baustoff ein fürchterlich unzuverlässiger baustoff. er bröckelt, versinkt, zerfliesst an allen enden und verflüchtigt sich. solange ständig genug nachschub vorhanden ist, ist die ökonomisierung all unserer lebensbereiche kein problem. aber bei ausblebenden lieferungen, bei versiegendem geldfluss wird das ganze gebäude schrecklich instabil. und so fürchte ich mich vor dem tag, wenn dieser nachschub gänzlich ausbleiben wird. was wird unsere gesellschaft dann noch stützen? hält unser gesellschaftsgebäude diesem druck stand oder stürzt alles in sich zusammen? und: wie schnell werden wir uns den wohlgenährten humanismus dann vom körper klopfen?

wir können bloss hoffen, dass wir dies nicht so schnell herausfinden müssen. hoffen, dass unsere gesellschaft bis dann wieder auf etwas solideren pfeilern ruht. aus was diese gebaut werden sollen, haben wir noch keine ahnung. aber nicht einmal nach neuen baustoffen zu suchen ist erst recht fahrlässig.

und darum bauen wir hier in düland an diesen stützen, in wörtlichem wie in übertragenem sinn. wir werden nicht das ganze gebäude neu bauen können. aber vielleicht einen kleinen teil dazu beitragen. neue stützen braucht das land!

 

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