9 – tell

veröffentlicht am 16. juni 2012 von anna rider

noch sind trauer und wut viel zu gross, um wirklich schreiben zu können. eine woche ist vergangen seit der unendlich traurigen beerdigung von nora. die medien haben sich nach viel empörung, schuldzuweisungen und rücktrittsforderungen wieder anderen themen zugewandt. für uns aber ist nora keine ‘story’ und keine ‘tragödie’, sondern eine für immer verlorene freundin, unschuldiges opfer einer sinnlosen überreaktion auf eine wohl ebenso sinnlose provokation.

sinnlosigkeit ist aber wahrscheinlich bezeichnend für den zustand nicht nur unserer armee, sondern unseres ganzen landes. nicht nur, dass der einzige feind, den unser militär bis jetzt gefunden hat, das eigene volk ist, und alle todesopfer, welche diese ‘schlacht’ bisher gefordert hat, unter ebendieser bevölkerung zu finden sind. sondern auch, dass unsere nation, nachdem sie all ihre mythen entweder zu tode ironisiert oder aber aus hilflosigkeit bis zur unkenntlichkeit missbraucht hat, zu immer durchsichtigeren versionen ihrer selbst wird.

ist es ein zufall, dass das land, an deren mythologischem beginn ein tyrannenmord durch einen gezielten schuss steht, heute, am ende seiner strahlkraft, mit zufälligen, ungerichteten panischen schüssen auf sein eigenes volk reagiert? oder hat tells apfelschuss in wahrheit sein ziel verfehlt und jetzt - wenn längst kein fremder vogt, eines zweiten schusses würdig, mehr da steht – hat dieser schuss so viel später nun sein eigenes kind getötet?

 

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