2 – düland

veröffentlicht am 15. Oktober 2011 von anna rider

textwolken der radiosendung verwoben sich in meinen gedanken. ich musste es sehen, dieses düland. deshalb habe ich gestern in zürich die ausstellung der denkallmend besucht. auch wenn ich nicht alle ansätze des projektes nachvollziehen kann, ist mir die idee doch fassbarer geworden.

die idee düland, soweit ich es verstehe, möchte auf dem areal des flugplatzes dübendorf einen unabhängigen kleinen staat gründen, einen kleinen bruder für die schweiz. ein frisches, junges land, die carte-blanche-version einer nation, in welcher ‘staat’ und ‘gemeinschaft’ neu definiert, in verschiedenen formen ausprobiert und ständig verändert werden können.

die schweiz als nation hat sich eine wunderbare verfassung gegeben und, mit grosser anstrengung und viel glück, auf die erfüllung dieser hingearbeitet. doch dann stellt sich irgendwann die frage: was jetzt? was macht man, wenn man fast alle seine lebensziele erreicht hat? einen goof.’

ich verstehe düland als aufforderung, nicht alles als gegeben hinzunehmen. vielleicht leben wir ja in der besten aller welten – mit grösster wahrscheinlichkeit aber nicht. vielleicht ist ja alles, wie es sein muss, aber wissen kann man es nicht. zukunft kann nicht erforscht, sondern nur ausprobiert, gelebt werden.

eine willensnation ohne willen ist nichts per definition. und wenn der einzige wille derjenige ist, wieder so zu werden, wie man niemals gewesen ist, dann ist das kein wille, sondern eine midlife-crisis.’

wann haben wir aufgehört, zu suchen? seit wann wollen wir nicht mehr werden, und bloss noch sein? immer dicker werden unsere ohrstöpsel aus ablenkung, unterhaltung und alltagsstress, und trotzdem hören wir durch sie hindurch immer wieder das seufzen dieser welt, das raunen, dass nicht alles gut ist, wie es ist.

wie auch könnten wir glauben, dass eine gesellschaft, in der die ungleichheit immer grösser wird, die zäune höher und die gräben tiefer, dass dies eine gute, eine gerechte gesellschaft wäre?

und darum kann ich nicht glauben, dass sich die schweiz, die momentan vielleicht noch reichste aller demokratischen nationen, es sich leisten kann, die zukunft zu vergessen, und die zukunft heisst: düland. ein versuchslabor für das zusammenleben. ein kleines land, deren bewohner freiwillig und mit freude all die gewissheiten des ’so-ist-es-halt’ vom sockel stossen und anstossen auf eine unsichere, aber sicher spannende zukunft.

ein wenig anarchie, ein bisschen schwangerschaft, ein stück freiheit, ein neues leben.

 

> düland-manifest

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