5 – aufruf

veröffentlicht am 19. Mai 2012 von anna rider

liebe düland-freundinnen und freunde. vielen dank für eure worte der aufmunterung und für eure kreativen einfälle. nun schreiten wir frisch gestärkt zur tat. wenn wir auch die absperrung, welches das 250 ha grosse areal des flugplatzes umgibt, nicht entfernen werden können, so können wir doch vielleicht ein paar breschen schlagen in das gitter um die köpfe einiger entscheidungsträger und politiker.

aus diesem grund treffen wir uns am samstag, 26. mai 2012 zu einer kleinen, frechen kundgebung. mehr dazu bald auf meinem facebook-account.

wir wollen zeigen, dass uns nicht egal ist, was mit dem gelände passiert, dass man aus dem geschenk dieses leer stehenden grundstücks mehr machen kann als ein grosser sandkasten zum soldaterlis spielen, dass man noch träumen kann, ja träumen muss. und unser traum heisst düland, ein land für die zukunft. für dübendorf, für die schweiz, für alle.

 

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4 – kampf

veröffentlicht am 12. Mai 2012 von anna rider

politik ist die abwesenheit von gesundem menschenverstand im angesicht allzu vieler ansprüche. oder wie könnte man sich die neuste entwicklung rund um den flugplatz dübendorf sonst erklären?

viele aufmunternde meldungen habe ich auf meine ersten drei blog-einträge von euch erhalten. die düland-vision, die idee eines unabhängigen kleinen staates auf dem areal des flugplatzes dübendorf hat bereits viele anhänger gefunden. leider habe ich euch infolge anderweitiger verpflichtungen und selbstverschuldetem prüfungsstress arg vernachlässigt. und prompt hat unser eidgenössisches militärdepartament nach zahlreichen schützenpanzern, tausenden von armeewaffen und unzähligen rekruten nun auch noch den verstand verloren.

gemäss neusten, noch ‘geheimen’ meldungen soll der flugplatz dübendorf nicht mehr wie versprochen einer zivilen nutzung überführt werden, sondern im gegenteil in einen zentralen waffenplatz umgewandelt werden. natürlich sollen auch die düsenflieger wieder starten.

bloss weil man nicht weiss, wo der feind ist, in alle richtungen zu schiessen, ist wohl nicht die intelligenteste strategie. vielleicht sollte man sich zuerst einmal klar werden, was man eigentlich verteidigen will, bevor man überhaupt eine armee aufstellt. aber ich habe den leisen verdacht, dass unser militär sowieso schon lange nicht mehr dazu dient, zu verhindern, dass jemand in unser land einfällt, sondern bloss noch, dass dieses nicht selbst auseinanderfällt.

wir sollten aufhören, nur noch unsere vergangenheit und unseren besitzstand zu verteidigen, wir sollten beginnen, für eine zukunft zu kämpfen. die wichtigsten ressourcen unserer dienstleistungswelt sind nicht mehr irgendwelche bodenschätze oder anbauflächen, sondern ideen. die kampfzone in diesem krieg liegt nicht mehr auf irgend einem schlachtfeld, sondern in den köpfen der menschen. und wie, um alles in der welt, sollte man diese verteidigen können mit ein paar kampfflugzeugen? wenn wir die schweiz, dieses land, wirklich schützen und ihm eine zukunft schenken wollen, dann brauchen wir keine militärflugzeuge, sondern gedankenflüge.

 

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3 – das herz der schweiz

veröffentlicht am 31. Oktober 2011 von anna rider

die whiskyflasche für den sieg an der diesjährigen poetry-slam schweizermeisterschaft hat mir bekanntlich gabriel vetter weggeschnappt. einer der texte, die mir am besten gefallen, hat er damals aber nicht vorgetragen. in diesem spricht er unter anderem darüber, dass der ‘souverän’ in der schweiz immer recht habe, egal wie absurd das ergebnis. der vortrag endet dann mit den worten:

…und dann heisst es, die schweiz habe kein herz. natürlich hat die schweiz ein herz… ich habe neulich ein werbe-plakat gesehen für den gotthard, den berg: ’der gotthard – das herz der schweiz’…
das herz der schweiz ist ein riesiger brocken aus stein. und dieser stein ist mit löchern durchbohrt. und in diesen löchern hocken die deutschen im stau und singen la paloma…’

doch eigentlich würde ich sagen, dass die schweiz noch recht rüstig ist, für ihr alter. im vergleich mit ihren jüngeren nachbarn noch recht fit, zwar haben sich auch einige fettpölsterchen angesetzt, an den hüften und am bauch. der arsch ist breit geworden und die finger klobig. jede bewegung ist nun eine anstrengung, jede regung verbraucht unnötig energie, jeder wandel beinhaltet die gefahr einer veränderung zum schlechten. das herz ist verfettet von zu vielen guten jahren und zerschlissen von zu viel empörung und wut.

noch schwerer jedoch wiegt der überflüssige balast auf unserem rücken. das zu grotesken auswucherungen verformte selbstbild unserer nation. in immer dickeren lagen schminken wir uns ‘ländlich’ aufs gesicht, weil in den rissen des aufgemalten ‘dorfes’ immer mehr durchschimmert, dass längst alles von zusammenhängender ‘stadt’ überwuchert ist.

schwierig wird der ausflug in ein neues leben, wenn die schuhe zu schwer sind für die flügel. die scholle klebt, man lässt sie gerne kleben, sie ist angeschraubt, vernagelt und gedübelt.

mehr noch als der gotthard erschien mir selber immer das flughafenareal als zentrum unseres landes. der flugplatz dübendorf ist das herz der schweiz: es ist eingezäunt, flach und leer. unser ziel sollte es sein, dieses herz mit leben und mit sinn zu füllen, damit es nicht mehr nur aus trotz noch schlägt, sondern wieder mit zukunftsglauben und freude.

 

> gabriel vetter, slampoet, letztes jahr an der künstlerbörse in thun (youtube)

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2 – düland

veröffentlicht am 15. Oktober 2011 von anna rider

textwolken der radiosendung verwoben sich in meinen gedanken. ich musste es sehen, dieses düland. deshalb habe ich gestern in zürich die ausstellung der denkallmend besucht. auch wenn ich nicht alle ansätze des projektes nachvollziehen kann, ist mir die idee doch fassbarer geworden.

die idee düland, soweit ich es verstehe, möchte auf dem areal des flugplatzes dübendorf einen unabhängigen kleinen staat gründen, einen kleinen bruder für die schweiz. ein frisches, junges land, die carte-blanche-version einer nation, in welcher ‘staat’ und ‘gemeinschaft’ neu definiert, in verschiedenen formen ausprobiert und ständig verändert werden können.

die schweiz als nation hat sich eine wunderbare verfassung gegeben und, mit grosser anstrengung und viel glück, auf die erfüllung dieser hingearbeitet. doch dann stellt sich irgendwann die frage: was jetzt? was macht man, wenn man fast alle seine lebensziele erreicht hat? einen goof.’

ich verstehe düland als aufforderung, nicht alles als gegeben hinzunehmen. vielleicht leben wir ja in der besten aller welten – mit grösster wahrscheinlichkeit aber nicht. vielleicht ist ja alles, wie es sein muss, aber wissen kann man es nicht. zukunft kann nicht erforscht, sondern nur ausprobiert, gelebt werden.

eine willensnation ohne willen ist nichts per definition. und wenn der einzige wille derjenige ist, wieder so zu werden, wie man niemals gewesen ist, dann ist das kein wille, sondern eine midlife-crisis.’

wann haben wir aufgehört, zu suchen? seit wann wollen wir nicht mehr werden, und bloss noch sein? immer dicker werden unsere ohrstöpsel aus ablenkung, unterhaltung und alltagsstress, und trotzdem hören wir durch sie hindurch immer wieder das seufzen dieser welt, das raunen, dass nicht alles gut ist, wie es ist.

wie auch könnten wir glauben, dass eine gesellschaft, in der die ungleichheit immer grösser wird, die zäune höher und die gräben tiefer, dass dies eine gute, eine gerechte gesellschaft wäre?

und darum kann ich nicht glauben, dass sich die schweiz, die momentan vielleicht noch reichste aller demokratischen nationen, es sich leisten kann, die zukunft zu vergessen, und die zukunft heisst: düland. ein versuchslabor für das zusammenleben. ein kleines land, deren bewohner freiwillig und mit freude all die gewissheiten des ’so-ist-es-halt’ vom sockel stossen und anstossen auf eine unsichere, aber sicher spannende zukunft.

ein wenig anarchie, ein bisschen schwangerschaft, ein stück freiheit, ein neues leben.

 

> düland-manifest

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1 – verbotenes land

veröffentlicht am 13. Oktober 2011 von anna rider

heimat. was für ein sperriges, überstrapaziertes,  missbrauchtes wort. und doch regten sich bei mir so etwas wie heimwehgefühle, als ich heute abend nach hause kam und in der küche das radio einschaltete, wo gerade eine infosendung lief. ich wollte schon umschalten, als der sprecher den flugplatz dübendorf erwähnte, meine alte heimat. damals, als sie dort noch flogen, die kampfflugzeuge.

unser haus sass ja quasi in der vordersten reihe, mit bestem blick auf dieses archaische schauspiel. und wie manchen nachmittag wir als kinder wohl vor dem absperrzaun des fluggeländes verbrachten und nichts anderes taten, als den metallenen vögeln beim starten und landen zuzuschauen? wir nannten es düland, das land der düsenflieger.

und nun zehn jahre später, höre ich im radio plötzlich wieder dieses wort. der sprecher sagte irgendwas wie:

was wir brauchen, ist ein gegenpol zur schweiz.
was wir brauchen, ist ein neuanfang, unbeschwert und unbelastet.
was wir brauchen, ist ein neues land, ein kleines, freches.
was wir brauchen ist düland.’

zuerst traute ich meinen ohren nicht, aber irgendwer hat mit diesem wort tatsächlich seine zukunftsvision für den flugplatz dübendorf bezeichnet:

düland ist das abenteuer eines unabhängigen
kleinen staates für feldversuche an utopien.’

seit das militär bekanntgegeben hat, dass der flugplatz 2014 geschlossen und für andere nutzungen frei würde, wird von allen seiten darauf geschielt wie auf einen frei werdenden platz in der s-bahn zur rush hour. viele ideen und zukunftsvorstellungen habe ich schon gehört, aber diese eine hat mich sofort gepackt, und nicht nur wegen des namens.

die kampfflugzeuge sind verschwunden, aber das gitter ist geblieben. wäre es nicht schön, wenn dieses areal, das zwar dem bund, also uns allen gehört, aber von niemandem betreten werden darf, zu etwas speziellem, etwas einmaligem werden könnte?

und so träume ich von düland. eine hoffnungsvolle idee für dieses hassgeliebte, dieses dornröschenschlafende, vielversprechende, schreckliche, vergiftete und begehrte stück land.

 

> radiosendung, ausschnitt manifest

> radiosendung, ausschnitt dueland

> DRS1 – “ein flugplatz hebt ab”, doppelpunkt vom 13.10.2011

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