33 – ein neuer tag

veröffentlicht am 13. Oktober 2026 von anna rider

vielleicht ist ja alles bloss ein traum. vielleicht gibt es düland gar nicht. vielleicht ist alles, wie es war. vielleicht läuft alles in geordneten bahnen. vielleicht aber auch nicht.

wir leben im jahre 2026. mein sohn ist nun bereits 12-jährig. seine welt ist nochmals etwas komplizierter und vielleicht auch anstrengender geworden, als sie es während meiner schulzeit in den 00er-jahren bereits war. die verschiedenen schulen von düland, sie sagen ihm nicht mehr ultimativ, was er wissen muss und was nicht. vielleicht lernt er etwas weniger algebra, aber er lernt, sich zu entscheiden und er lernt, was es heisst, bürger zu sein, citoyen, und mensch.

düland wurde gegründet mit dem ziel, herauszufinden, was zum teufel mit den nationalstaaten geschehen sollte, wenn es sie nicht mehr braucht. mittlerweile sind praktisch alle nationen an den folgen der globalen wirtschaftskrise und an ihren eigenen ansprüchen zerbrochen. denn die krise, sie war weniger eine wirtschaftliche als eine seelische. klar lässt sich diese leere immer gut mit ein bisschen nationalismus stopfen, aber in einer global vernetzten welt wirkt dieser zum glück doch eher infantil. und die zentrifugalkräfte einer gesellschaft sind dann doch meist stärker als die kohäsion.

und, so paradox es klingen mag: fast scheint es, dass eine welt, in welcher nicht mehr nationalstaaten miteinander handeln und sich bekriegen, sondern autonome und halbautonome regionen und städte miteinander sprechen, dass diese ihre gemeinsamkeiten und verwandten interessen fast eher sehen als in der alten ordnung. erst wenn man sich nicht mehr bloss in der abgrenzung definieren kann, findet man zu sich selbst.

und die schweiz? nach 12 jahren militärverwaltung steht sie nun am beginn ihres zweiten frühlings. die schweiz wird noch einmal gegründet, und es freut uns natürlich ausserordentlich, dass wir uns dieses mal, nachdem sie uns bei unserer entstehung so grosszügig unterstützt hat, revanchieren können. wir hoffen, dass unsere 15-jährige demokratie-forschung helfen kann, die neue schweiz wieder zu einem vorbild werden zu lassen für die welt. dass unsere geglückten und gescheiterten versuche im testfeld der politik anleitung sein können, wenn wir unserem eigenen grossen bruder pate stehen werden. dass unser aufruf ‘RECLAIM THE SEATS’ gehör finde in diesem wiedergeborenen staat, ohne repräsentanten und parteien, diesem wetterballon einer wahren direkten demokratie.

vielleicht, vielleicht aber gibt es düland gar nicht. vielleicht ist düland einfach die schweiz, wie wir sie gern gehabt hätten. etwas mutiger, etwas bescheidener, etwas selbstbewusster und weltoffener, etwas chaotischer und fröhlicher. vielleicht ist düland einfach das land, in dem wir gerne gelebt hätten. ein land, welches die ungeheure tatsache ihrer existenz nützt und nicht angst hat vor den eigenen möglichkeiten. ein land, welches nicht einfach geradeaus marschiert, bloss weil es immer funktioniert hat, sondern das enorme potential ihrer bürger dankbar aufnimmt und diese einmalige historische chance nicht ungenützt verstreichen lässt. ein land der zukunft. vielleicht gibt es düland nicht. aber vielleicht sollte es düland geben.

vielleicht ist ja alles bloss ein traum. aber eines ist sicher: träume sind immer die ersten gedanken eines neuen tages.

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32 – die letzte allmende

veröffentlicht am 21. dezember 2022 von anna rider

den allergrössten teil ihrer bekannten existenz verbrachte die menschheit als jäger und sammler. das leben war im einklang mit der natur: angenehm einfach und unsäglich brutal. ein sich selbst regulierendes system im sinne einer endlosen tragödie.

der sich langsam entwickelnde und ausbreitende ackerbau und die viehwirtschaft ermöglichte sodann die sesshaftigkeit und mit ihr die entstehung von städten, berufen, künsten und ganzen reichen samt ihren heeren. es war nicht mehr nötig, dass jeder sich sein essen selber zusammensuchte – man konnte auch jemanden anders dafür bezahlen, weil der gezielte anbau nahrung bot für zwei. ein ungeheures bevölkerungswachstum war die folge und mit ihm unzählige kriege um prestige und boden. noch immer aber blieb die empfindliche abhängigkeit von der natur und vom wetter. eine kleine klimaänderung oder ein paar schlechte jahre konnten ganze reiche zum verschwinden bringen. oft genug blieb nur die auswanderung. glücklich, wer dann über die bessere technologie verfügte oder die besseren waffen.

doch erst die entdeckung der fossilen energieträger, der raubbau an den über jahrmillionen entstandenen ressourcen und deren konsumation innert jahrzehnten liess die menschheit explodieren und – zumindest diejenige hälfte von ihr, die mehr glück hatte – fast unabhängig werden von den launen der natur. unser korn wächst nun auf watte und erdöl sättigt unsere hungrigen mäuler. krieg als mittel der neuverteilung ist nun verpönt, und auswanderer werden als wirtschafts-flüchtlinge bürokratisiert und zurückgeschafft. noch immer sitzen die westlichen länder am längeren hebel, haben bloss die politische durch die subtilere, aber nicht minder brutale wirtschaftliche unterdrückung ersetzt. doch der hebel wird immer kürzer.

bald werden wir dastehen auf einer erde mit 8 milliarden menschen, von denen vielleicht die hälfte ohne die hilfe von künstlichen düngemittel und fossilen treibstoffen ernährt werden kann. dann wird sich zeigen, wohin der grenzbereich unserer solidarität sich entflüchtet und wie schnell wir uns den humanismus vom blanken körper klopfen.

so wie düland, in den letzten acht jahren der letzte funktionierende staat in einem chaotischen europa und einer zerstörten schweiz, so müsste die menschheit ihre kräfte sammeln statt sich gegenseitig zu konkurrenzieren und zu schwächen. die welt ist brutal genug, es braucht unsere erbarmungslosigkeit nicht. es kann der ignoranteste nicht in frieden leben, wenn sein nachbar hungert. so wie der unglückselige  inselstaat nauru verloren und einsam im pazifischen ozean so treibt die erde in den unendlichen weiten des alls. wir können nur hoffen, dass die menschheit nicht mit der selben unvermeidlichkeit in die tragödie schlittert wie die einwohner dieser einst so reichen insel.

die erde ist die einzige, die letzte allmende der menschheit. entweder wir lernen, diese gemeinsam nachhaltig zu bewirtschaften, oder es wird hier bald ziemlich ungemütlich werden, für uns, für alle.

 

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31 – der kapitalistische hund

veröffentlicht am 1. Mai 2018 von anna rider

jai guru deva, om - nothing’s gonna change my world. doch plötzlich, nachdem man sie uns sechsundsechzig jahre als alleine selig machende religion, als grosses endziel verkauft und eingeprügelt hatte, wurde sie, unsere welt, die kapitalistische demokratie und mit ihr ein wenig auch die soziale marktwirtschaft, mit einem mal in frage gestellt oder zumindest wieder für fragen würdig – nachdem wir der wirtschaft, diesem hund, etwas zu viel freilauf gegeben hatten.

der hund, sagten uns die tierpsychologinnen immer, der hund weiss doch am besten selber, wo der weg durch geht. das arme tier geht doch kaputt, an dieser leine. so recht glauben mochten wir dies zwar nicht, aber wir liessen ihn dann trotzdem immer wieder kurz frei. und prompt hat er dann fast jedes mal bald ein kindlein gebissen oder ein rehlein gerissen. wir schimpften dann mit ihm ein bisschen und hakten ihn auch wieder ein. die leine wurde dann langsam wieder länger und der hund, er wurde grösser, immer grösser. das war gut für uns, denn er verschaffte uns respekt. wir fütterten ihn und gaben ihm spritzen, wenn er krank ward, und wir gingen gassi mit ihm durch die ganze nachbarschaft. denn ständig musste er sein revier markieren und schnüffeln, schnüffeln unentwegt, der verfluchte hund.  doch wir gewöhnten uns daran und wir liefen ihm hinterher, und die unzähligen scheisshäufchen, die er auf seinen wegen hinterliess, die kratzten wir ohne murren von der strasse und stopften sie in diese verdammten plastik-säcklein.

und irgendwann haben wir gemerkt, dass er längst zu stark geworden ist für uns – too big to tame. und wenn er wieder mal hinter einer strukturierte katze hinterherjagte, konnten wir ihn nicht mehr halten. und wenn er dann was auf die schnauze kriegte und mit eingeklemmtem schwanz zu uns zurück trottete und uns treuherzig winselnd anblickte, da päppelten wir ihn wieder auf. damit wir uns immer noch als herrchen fühlen konnten, wenn er uns an der leine spazieren führte.

doch plötzlich hiess es, unser degenerierter hund, er sei zu gefährlich, ein kampfhund gar. er solle einen maulkorb tragen. und manchmal hiess es gar, er solle ganz verboten werden. der hund, der hund muss weg.

und mit einem mal diskutierten alle wieder mit, wie der hund zu zähmen wäre. muss er bloss sozialer werden? sollte man ihm einen zwinger bauen? der hund 2.0, der neue hund, der genossenschaftliche hund? oder gibt es auch eine alternative zum hund? ist der kommunistische wellensittich wieder stubenrein? das kollektive meerschweinchen? die anarcho-katze? doch die meisten sagten bloss, der hund ist halt der hund. und doch sprachen sie alle nur vom hund. der hund, der verdammte hund ist das problem. und niemand spach vom herrchen.

da sagen wir, natürlich wäre der gewählte hund, die demokratische wirtschaft, ein schönes ziel, ein eigentlich nahe liegendes. wenn der kapitalismus, kurz bevor er die mittelschicht oder gar das bürgertum ganz in neunundneunzig krümel und einen grossen klumpen zerrieben hat, gemeinschaftlicher werden könnte. aber vielleicht ist nicht der hund zu wenig menschlich, sondern der mensch zu wenig hund.

vielleicht sollte nicht der kapitalismus demokratischer, sondern die demokratie kapitalistischer werden? wäre dieser weg nicht viel konsequenter? statt die wirtschaft durch immer neue und immer wirkungslosere gesetze scheinbar der staatlichen kontrolle zu unterstellen, den staat einfach zu einer ware zu machen? wäre dies letztendlich nicht auch viel demokratischer? wenn man nicht bloss über türmchen abstimmen, sondern auch seine neue heimat bestimmen könnte? wenn man nicht nur sein repräsentanten wählen, sondern auch sein land auswählen könnte?

die dümmste erfindung des I9. jahrhunderts ist wahrscheinlich die nation. die zweitdümmste vielleicht die politik. dass die zeit für beide nun abläuft mag man erkennen an dem aufwand, der betrieben wird, ihre unerlässlichkeit zu betonen. wie unsere sonne, die sich zu einem gelben riesen aufbläht, bevor sie in sich zusammenfällt.

menschen, denen die familie zu klein und die welt zu gross ist, lieben die nation. sie wollen uns weismachen, dass unsere sprache, unsere geografie oder unsere rasse, was immer das ist, uns zusammengehörig machen sollten. und wehe dem, der einfach so in unseren körper eindringen möchte. virus! fremdkörper! vergewaltiger! niemand soll von unserer integrität profitieren können, die “wir” uns erschaffen haben, die “wir” uns behütet und aufgebaut haben. die nation ist die letzte kaste, in welche wir geboren werden, glück gehabt halt, oder pech. das leben vorbestimmt, privilegiert oder einfach ziemlich schlecht.

doch: warum sollte man seine nation nicht wechseln können wie seine… seine krankenkasse, zum beispiel, oder die herkunft seines stromes. natürlich gibt es logistische probleme, aber logistik war noch immer lösbar. so wie es einst undenkbar war, dass es für den gleichen anschluss verschiedene telefongesellschaften geben könnte, scheint es utopisch, dass der eigene nachbar in einem völlig anderen land wohnen könnte. und doch ist es bloss eine frage von sauber gelösten durchführungsrechten. in einer mehr und mehr entlokalisierten und beliebigeren welt scheint die politische einheit wie der letzte fels in der brandung, was sie natürlich als letztes ist, sondern im gegenteil die virtuellste aller zugehörigkeiten. alles nur eine frage des preises.

bisher gab es drei wege, sein land bestimmen zu können. man konnte seine vertreter, seine repräsentanten wählen; man konnte selber handeln und sein glück als politiker oder aktiver bürger versuchen; oder man konnte auswandern. jede dieser möglichkeiten hatte aber gravierende nachteile. wählte man politiker oder parteien in parlamente und regierungen, taten sie danach höchst selten das, was sie an ihren wahl­veranstal­tungen versprochen hatten, böswillig oder mangels einfluss. wurde man selber aktiv, so wurde man oft zerschlissen und desillusioniert, wenn nicht gar korrumpiert in den langsam mahlenden mühlen der demokratie. und auch der drastische schritt der auswanderung und einbürgerung in einem neuen land brachte selten ein erlösung, weil sich dieser weg oft als langwierig, teuer und entwürdigend herausstellte und sich im neuen land meist die gleichen oder gar noch schlimmere übel zeigten.

doch das übel hat einen einfachen namen: politik. ist doch jede politik interessenpolitik, die vertretung einer meinung. und so wichtig meinungsverschiedenheiten, lösungsfindung und kompromisse auch sind, sobald sie wichtiger werden als die sache an sich, sobald sie die sache selber werden, hilft sie nicht mehr der problemlösung sondern schafft sie sich die probleme gar selber, zur rechtfertigung ihrer eigenen existenz.

und wenn unsere sogenannten volksparteien ja sowieso bloss noch unseren sogenannten volkswillen ausüben wollen, warum soll dieses sogenannte volk diesen ihren willen nicht gleich selbst ausüben, ohne das ganze polit-theater? natürlich könnte man das parlament aus folkloristischen gründen beibehalten, aber gäbe es nicht abwechsungsreichere formen der unterhaltung? warum nicht gleich die parlamente abschaffen? denn ohne parlamente keine parteien, und ohne parteien keine politiker. und ohne politiker keinen dauerwahlkampf, keine lobbyisten und keine pseudo-abstimmungen. warum für dieses schauspiel noch darsteller delegieren, wenn wir diesen unseren volkswillen auch gleich selber wollen könnten?

auf dass die direkte demokratie tatsächlich direkt würde. auf dass politik wieder inhalt statt form würde. und auf dass regierungen wieder als das erkennbar würden, was sie eigentlich sind, nämlich nicht macht­haber, die über uns gebieten, sondern beamte, die unseren gemeinsamen willen ausüben – unsere angestellten.

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30 – fünf jahre

veröffentlicht am 13. Oktober 2016 von anna rider

vor genau fünf jahren, im oktober 2011 erschien hier der erste beitrag – verbotenes land. mit dem verbotenen land war das damals noch abgesperrte gebiet des flugplatzes dübendorf gemeint – ein areal, das zwar dem bund, also uns allen gehörte, aber von niemandem betreten werden durfte. bloss ein jahr später ist auf eben diesem gelände der eigenständige kleine staat ‘düland‘ entstanden, eine versuchsnation der staatsführung und des zusammenlebens, welche zwar von allen betreten werden kann, aber niemandem gehört.

fünf jahre, in denen ich sicher zehn jahre älter geworden bin, aber vielleicht auch zehn jahre weiser. demokratie ist kein spass, sondern harte arbeit. und eine gesellschaft, deren regeln nicht durch parlaments- und mehrheits-entscheide und der androhung von strafen bei nichteinhaltung basiert, sondern auf konsens: sie ist zähes ringen, eine epische schlacht im tal der meinungen, ein ewiger krieg am berg des kompromisses, aber ein krieg ohne besiegte.

fünf jahre waren es ebenso, in denen auch rund um uns herum kein stein auf dem anderen geblieben ist. aber während wir hier in düland mit den vorgefundenen steinen neue gebäude errichtet haben – im wörtlichen wie im übertragenen sinne – sind die vermeintlich felsenfest gemauerten gebäude der sogenannten weltordnung mit lautlosem krachen in sich zusammengestürzt. der staatsbankrott der USA war erwartet worden und letztendlich ja auch noch vergleichsweise harmlos. dass aber ein giftzwerg wie liechtenstein – es hätte auch irgend ein anderer sein können – in diesem irrsinnigen gewirr von finanziellen und anderen verknüpfungen mit tausendfachen rückkopplungen, welches die weltfinanzwirtschaft war – gleich die ganze westliche welt mit sich in in den abgrund ziehen würde, das hatte niemand wirklich erwartet. nun ist amerika zurück im wilden weste, europa ein scherbenhaufen und die einst so stolze schweiz ein häufchen elend, ein vom militär unter notrecht regierter ‘failed state’.

fünf jahre hatten wir zum glück aber bisher auch zeit, um am offenen herzen der demokratie zu operieren und dessen geschichte weiterzuschreiben. wir waren – solange es die schweiz noch als funktionierenden staat gab – deren offenes versuchsfeld und lebende vernehmlassung. statt in zähflüssigem hin und her mit fragwürdig ausgewählten institutionen herauszufinden, was an einem neuen gesetz gut und schlecht seit könnte, was seine hypothetischen auswirkungen sein könnten und es in diesem verlauf bis zur unkenntlichkeit zu zerschleifen, haben wir es einfach ausprobiert. laufen bei der annahme der 1:12 initiative den konzernen alle CEO’s davon? hocken nach der einführung des bedingungslosen grundeinkommens alle bloss noch faul herum? statt in müssigen diskussionen, in endlosen debatten und mit zahllosen studien und gegenstudien nichts herauszufinden, haben wir diese gesetze gelebt und dabei herausgefunden, was daran funktioniert und was nicht.

fünf jahre haben wir geforscht an der zukunft des politischen und gesellschaftlichen zusammenlebens. noch ist es zu früh, um irgendwelche definitiven schlüsse ziehen zu können. was es braucht, um die menschheit ohne hunger und gegenseitiges ausrotten über die nächsten hundert jahr zu bringen, wissen wir sicher noch nicht. aber soviel wissen wir: was es sicher nicht braucht, sind berufspolitiker und parlamente. was es nicht braucht sind armee und einschüchterung. was es nicht braucht sind nationen. die weltwirtschaft könnte ein segen sein, aber nur wenn der politische raum ebenso weit reicht, wenn sich nicht nur waren und geld auf diesem planeten frei bewegen dürfen, sondern auch die menschen.

fünf jahre. wir haben diesen mini-staat gegründet mit dem konkreten auftrag zum risiko, weil dessen auswirkungen überblickbar waren und nur die freiwillig hier lebenden einwohner betreffen. wir haben düland aufgebaut mit dem explizieten anspruch, auch scheitern zu dürfen. ist es traurig oder ironisch, dass es uns noch immer gibt, aber alle länder um uns herum gescheitert sind?

 

 

 

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29 – mittelpunkt der erde

veröffentlicht am 22. September 2014 von anna rider

liebe leute

nun ist es doch schon mehr als ein halbes jahr her, dass ich mich hier letztmals gemeldet habe. manche mögen sich schon gewundert haben, ob ich mich – während sich die schweiz und mit ihr die welt langsam aber sicher ins mittelalter zurückwinkt – von der bühne dieser welt abgemeldet habe. ziemlich das gegenteil ist der fall. mein zentrum der welt hat sich bloss zwischenzeitlich etwas verschoben. das mag damit zusammenhängen, dass ich gerade mutter eines kleinen knaben geworden bin, aber auch mit der tatsache, dass wir jetzt nicht mehr im innern von düland leben, sondern in der seit kurzem fertiggestellten randbebauung.

das zentrumm meines lebens mag sich verschoben haben, aber der mittelpunkt, er blieb noch immer hier, in düland. die perspektive mag eine andere sein, aber mein fokus blieb der selbe. das prinzip der grossfamilie mag überholt klingen, aber das ziel, es blieb das selbe: kein einzelner ist so brutal wie seine gruppe, doch kein individuum ist so stark wie seine gemeinschaft. und eigentlich ist die randbebauung von düland nichts anderes als eine aktualisierte version einer grossfamilie: eine gemeinschaft, in welcher jede und jeder seinen teil dazu beiträgt, die gruppe zu ernähren, aufzuziehen und eine art von tradition zu vermitteln. und genau dies geschieht hier, auf eine düland-art-und-weise. doch anders als in der herkömmlichen familie verbindet uns nicht mehr das gemeinsame blut, sondern die gemeinsame idee. und die grösse unserer familie kennt keine grenze. sie beschränken sich weder auf unsere eigenen vier wände, noch auf irgend eine fiktive landesgrenze oder die reichweite unserer news-bericht-erstattung. die banden unserer globalen familie sind weit und der umfang unserer grossfamilie ist so gross wie unser herz, und das ist potentiell so gross wie die welt. warum nicht?

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